Meine Mauer – wer bin ich (Auszug)

Oft stoße ich an diese Mauer. Sie ist keine Grenze, sondern eine Mauer von der links und rechts Wege abgehen. Wie die Wege nach dieser Kreuzung aussehen, weiß ich erst, wenn ich sie einschlage. Die große Mauer bremst meine Entscheidung, weil sie plötzlich auf meinem Weg erscheint; beinahe aus dem Nichts; aus verschiedenen Steinen gebaut.

Schön anzusehen ist sie schon. Dort finde ich rote Sandsteine, Backsteine, Kalksandsteine, einzementierter Kies, Natursteine, sogar ein Findling. Manche Stellen sind mit Moos überzogen. Die Mauer gibt es schon länger. An einigen Stellen wächst Gras in den Lücken zwischen den Steinen, dort sogar eine Blume. Sie ist wirklich schön, vielfältig interessant, ich!

Ja, die Mauer ist wie ich, die Mauer steht für mich.

Für mein Ich, das sich mir in den Weg stellt. Plötzlich und unerwartet. Nicht, um mir Angst zu machen, sondern um mir zu zeigen, wer ich bin. Um mir zu zeigen, was ich bin und warum ich so bin wie ich bin.

Wer bin ich?

Betrachte ich die Mauer, fällt mir auf, dass sie auf einem Sandboden steht. Ähnlich dem Sand, der vom Meer an den Strand gespült wurde.


 

An einem meiner ersten Stranderlebnisse war ich etwa drei oder vier Jahre alt. Es war Silvester Abend und wir verbrachten die Nacht mit meinen Eltern und deren Freunden an einem Strand, den wir „Muschelbeach“ nannten. Eingekuschelt in unsere neuen Schlafsäcke, die das Christkind zu Weihnachten gebracht hatte, lagen wir in fast völliger Dunkelheit am Strand und hörten den Wellen zu. Über uns ein berauschender Sternenhimmel.

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