„Ich warte auf den Frieden.“

Das kleine Mädchen hüpft die Straße hinunter und sieht einen Mann auf einer Bank sitzen. Das kleine Mädchen spricht ihn an: „Was machst du?“Der Mann antwortet: „Ich warte.“

Das Mädchen nickt und fragt dann noch einmal nach: „Worauf wartest du?“

„Auf den Frieden“, antwortet der Mann, „auf den Frieden“.

Das kleine Mädchen leg den Kopf schief und fragt noch einmal nach: „Was ist Frieden?“
Da sieht der Mann plötzlich traurig aus und seine Augen füllen sich mit Tränen.

„Setz dich“, sagt er, „ich will dir vom Frieden erzählen.“ Und er erzählt ihr von einer Welt, in der es keine Dunkelheit in den Herzen der Menschen gab und alle gut zusammen lebten.
„Ich warte mit dir“, sagt das Mädchen bestimmt. „Wenn mehr auf den Frieden warten, kommt er schneller“.

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Da ist ein Weg…

Zeiten, in denen Erziehungsratgeber boomen, in denen Kindern mit viel mehr Einfühlung gegenüber getreten wird, in denen körperliche Gewalt, wie es schon die Ohrfeige ist, gesetzlich unter Strafe gestellt ist, sind ebenso Zeiten, in denen Eltern einem immensen Leistungsdruck und Drang zur Perfektion unterstehen und nicht selten unterliegen. Dieser Druck kommt von außen, aber auch von innen. Wir Eltern lassen ihn zu, gewähren ihm Raum und viel Zeit und sind von den Folgen überrascht.
Vor einigen Wochen habe ich einen Artikel über eine Mutter verfasst, die vor lauter Hilflosigkeit in der „Brüllfalle“ landet (Manchmal ist Mami nicht schön – weisse hexe afrika

https://weissehexeafrika.wordpress.com/2016/07/06/manchmal-ist-mami-nicht-schoen/). Und da ist es schon wieder, ein Wort, das die heutige Elterngeneration prägt. Eins, das mit Angst behaftet ist und abgelehnt wird; weil man ja so nie sein will, es nie wollte und es auch nicht sein darf.
Wir Eltern befördern uns mit solchen Gedanken in eine Spirale, die zielsicher in einer Sackgasse endet. Dass es aus der Sackgasse einen kleinen Trampelpfad heraus gibt, ist für viele zunächst nicht offensichtlich. Aber er ist da. Mal mehr, mal weniger zugewachsen, aber immer zugänglich. Nicht einmal schmerzhafte Dornen oder Brennnessel versperren den Zugang; nie.
Wer diesen Pfad einmal gefunden hat, kann aufatmen, sich sicherer fühlen, aufgefangen fühlen. Und selbst wenn die Brüllspirale uns noch ein paar Mal einholt, wir wissen, wie wir rauskommen und vergessen es nicht.
Erziehungswissenschaftler stellen alle möglichen Theorien auf, warum wir heutigen Eltern so sind, wie wir sind. Die Gesellschaft sei schuld, dass immer nur der ohne Fehler Erfolg hat, unsere eigene Schulzeit und unsere Kindheit sowieso.

Ich bin kein Wissenschaftler, aber ich bin Mutter und ich bin Tochter. Und ja, auch ich bin überzeugt, dass eine Grundlage für die heute so plakativ dargestellte „Brüllfalle“ in unserer eigenen Erziehung liegt. Und darin, dass „wir es besser machen wollen“ oder „mindestens genauso gut“. Warum wir das wollen und was wir genau besser machen wollen oder was so „perfekt“ war, wissen wir meist selbst nicht. Ein verkrampftes „anders machen“ oder das Denken „meine Eltern konnten das doch auch“, übt einen immensen Druck auf uns aus. Selbst gemachten Druck.
Die Brüllspirale… Denkt an den Pfad, dessen Eingang wir nur dann finden, wenn wir uns so akzeptieren, wie wir sind. Wir sind nicht unsere Eltern, wir müssen sie weder krampfhaft kopieren noch unbedingt das Gegenteil von ihnen sein. Wir sind wir und wir sind gut so, wie wir sind.

Fragt mal eure Kinder, was sie an euch am meisten lieb haben. Wahrscheinlich werdet ihr bei der Antwort überrascht sein.

… 50 mal um die Erde, achtmal um den Mond und wieder zurück, weil ihr einfach so seid, wie wir sind.

Das Wesentliche ist für die Augen…

Die kleine, dicke, hässliche Frau sitzt auf einer Parkbank. Sie sitzt dort allein und hat ihr Gesicht in ihren Händen verborgen. Die kleine, dicke, hässliche Frau sitzt und weint. Sie weint ganz leise. Es ist kaum zu hören.Die kleine, dicke, hässliche Frau sitzt, weint und sonst ist es ruhig.

Plötzlich landet ein kleiner Vogel neben ihrem Schuh.
Ein bisschen fühlt man sich an das Kinderlied „Kommt ein Vogel geflogen“ erinnert. 
Die kleine, dicke, hässliche Frau bemerkt den Vogel nicht. Ihre leisen Tränen fallen fast ungesehen in ihren Schoß.
Der Vogel sieht sie. Er sieht die Frau, er sieht die Tränen und beginnt zu singen. Zuerst ganz leise, dann etwas kräftiger.
Jetzt kullern keine Tränen mehr und die kleine, dicke, hässliche Frau zuckt mit den Schultern. Dann öffnet sie ihre Hände einen Spalt und ihre roten verweinten Augen suchen den kleinen Sänger.
Dieser setzt zum Höhepunkt seiner Darbietung an und singt mit aller Kraft.
Da sinken die Hände der kleinen, dicken Frau. Ihre roten, verweinten Augen fallen auf den kleinen Caruso vor ihr. Es ist, als ob sich ihre Blicke treffen.
Der Vogel hält kurz inne und singt dann ganz sanft weiter. Er hat in ihr Herz geblickt. In das Herz der kleinen Frau, die nun sogar ein bisschen lächelt.

Mein Zuhause am Meer

Meeresrauschen, Kinderlachen, Möwen kreischen, dort klingt ein Schiffshorn, da rufen Fischer sich Kommandos zum Einholen der Netze zu. Ein Tag am Meer ist nicht nur ereignisreich, sondern auch befreiend. 

Alles wegspülen lassen von den starken Wellen. Die reine, salzige Luft befreit, vertreibt das beklemmende Gefühl im Brustkorb.

Die Abendsonne kitzelt auf der Nase, die Lippen schmecken nach Salz, nach Meer. 
Hierhin komme ich, wenn alles Zuviel ist. Am Meer bin ich geboren, hier fühle ich mich zuhause. 
„Und meine Seele rannte übers weite Watt hinaus, sprang über kleine Zäune, als flöge sie nach Haus.“
Das Meer mitnehmen war immer mein Gedanke, mein sehnlichster Wunsch. Ein Wunsch, den ich mir längst erfüllt habe. Ich konnte es nur lange nicht sehen.

Das Meer ist längst in meinem Herzen, nicht nur in meiner Erinnerung oder auf Fotos. Ich trage es in mir und höre und spüre es, wenn ich es brauche. Manchmal bedarf es einiger Anstrengung, das Rauschen zu hören, die Möwen, die Fischer. Aber wenn das Kinderlachen am Abend verklingt und auch ich zur Ruhe komme, ist es da. Trägt mich in die Ferne, die ich in mir trage.

Ich will mehr…

Ich bin Hausfrau und Mutter und Ehefrau – in beliebiger Reihenfolge und habe mir das genau so ausgesucht. Keinen Tag habe ich die Entscheidung bisher bereut und genieße jede Sekunde mit meinen Kindern, auch wenn es manchmal schwer fällt. Der schönste und größte Lohn, den man im Leben erhalten kann, ist die Liebe eines Kindes. Sie zeigt sich im Kinderlachen, in den strahlenden Augen, den herzlichen Umarmungen und in den nassen Küssen. Sie zeigt sich auch in Widerworten und Trotzanfällen, da Kinder nur dort trotzen, wo sie sich sicher fühlen. Kurz gesagt, ich liebe mein Leben.
Klingt, als würde ich Tag für Tag auf einer rosa Wolke durch unsere Kleinstadt schweben. Nein, ganz so euphorisch ist mein Leben nicht, denn trotz allen Kinderglücks erlebe auch ich Alltag. Alltag, der mich oft an den Rand meiner Kräfte bringt. 

Aber nicht nur das…
Oft sage ich mir „ich will mehr“.

Wovon mehr?

Nicht noch ein Kind, obwohl ich da immer wieder und lange drüber nachgedacht habe.

Mehr von… Ja wovon?

Mehr Anerkennung vielleicht; mehr Schulterklopfen von außen und mehr als ein freundliches Lächeln auf meine Antwort „ich bin Hausfrau“ – auf die Frage „als was arbeiten Sie?“
Ich bin mir sicher, dass ich mit diesem Gedanken nicht alleine da stehe und würde mich über Tipps oder Gedanken anderer Hausfrauen freuen. 

Denn dass ich das bleiben werde, steht fest, zunächst auch weiterhin Vollzeit 24/7 und zwar gerne.