Das Wesentliche ist für die Augen…

Die kleine, dicke, hässliche Frau sitzt auf einer Parkbank. Sie sitzt dort allein und hat ihr Gesicht in ihren Händen verborgen. Die kleine, dicke, hässliche Frau sitzt und weint. Sie weint ganz leise. Es ist kaum zu hören.Die kleine, dicke, hässliche Frau sitzt, weint und sonst ist es ruhig.

Plötzlich landet ein kleiner Vogel neben ihrem Schuh.
Ein bisschen fühlt man sich an das Kinderlied „Kommt ein Vogel geflogen“ erinnert. 
Die kleine, dicke, hässliche Frau bemerkt den Vogel nicht. Ihre leisen Tränen fallen fast ungesehen in ihren Schoß.
Der Vogel sieht sie. Er sieht die Frau, er sieht die Tränen und beginnt zu singen. Zuerst ganz leise, dann etwas kräftiger.
Jetzt kullern keine Tränen mehr und die kleine, dicke, hässliche Frau zuckt mit den Schultern. Dann öffnet sie ihre Hände einen Spalt und ihre roten verweinten Augen suchen den kleinen Sänger.
Dieser setzt zum Höhepunkt seiner Darbietung an und singt mit aller Kraft.
Da sinken die Hände der kleinen, dicken Frau. Ihre roten, verweinten Augen fallen auf den kleinen Caruso vor ihr. Es ist, als ob sich ihre Blicke treffen.
Der Vogel hält kurz inne und singt dann ganz sanft weiter. Er hat in ihr Herz geblickt. In das Herz der kleinen Frau, die nun sogar ein bisschen lächelt.

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