Zuversicht 

Manchmal möchte ich einfach nur weinen, dann sitze ich da und fühle mich leer, bin leer. Wenn die Tränen nicht fließen können, fühle ich mich zu voll, im Kopf der mir bekannte und mich bedrückende Bahnhof der Gedanken und Bilder; der Grund, warum ich anfing zu schreiben. Weil alles rausmuss, einfach raus. Damit es im Kopf wieder freier wird, damit die Gedanken ihr Ziel finden, damit die Tränen fließen können.

Vor ein paar Tagen hätte ich diese Zeilen mit „Zerrissenheit“ überschrieben. Das trifft es ganz gut und doch wieder nicht. Während ich das hier schreibe, ist der Kopf voll. Ich schreibe schnell, damit nicht gleich wieder ein anderer Gedanke im Kopf-Bahnhof vorbeizuhuscht, der nächste, der den, der zuende geschrieben werden möchte, überdeckt, ihn damit undenkbar macht. 
Ich befinde mich unter einer Gedanken-Glocke, denke ich oft. Von Außen nach innen durchlässig, anders herum nicht. Was hereinkommt bleibt, oft lange. Manchmal unbemerkt, manchmal sofort sichtbar, vieles unerwünscht. Die Gedanken sind mit Gefühlen vermischt, alten und neuen. Gefühlen, Ängsten, Sorgen, aber auch positiven Kribbelgefühlen.
Seit ich Mutter bin, ist der Bahnhof wieder da. Mal lauter, mal leiser. Mal ein ruhiger Kleinstadtbahnhof, mal der Hauptknotenpunkt in einer Grossstadt. Mal befreiend, wenn ich die Gedankenzüge abfahren sehe, mal erdrückend, wenn viele Züge anhalten und viele Gedanken aussteigen, mal beängstigend, wenn besonders laute Gedanken immer wieder vorbeirasen, dabei zu schnell sind, um ergriffen zu werden.
Während ich das hier schreibe – und ich schreibe es ganz schnell – wechselt das Bild in meinem Kopf: aus dem lauten Grossstadtbahnhof wird der ruhige Kleinstadtbahnhof, dessen Gleise von Bäumen und Sträuchern eingerahmt sind. Die Vögel sind zu hören, dort sogar das Rufen eines Kindes nach einem Eis. Ich sehe einen Schmetterling über die Gleise flattern. Welchen Weg wird er einschlagen? Soll ich ihn warnen? Kann ich ihn beschützen? „Ich muss loslassen“, denke ich und lehne mich auf der Wartebank zurück. Langsam huscht ein Lächeln über mein Gesicht. Ein heilendes Lächeln, das ich bewahren möchte. Ein Lächeln, das zu dem Kleinstadtbahnhof gehört, durch den nur selten ein Zug rauscht. Ein Bahnhof, an dem die meisten Züge halten; gerade so viele, wie ich es zulasse.
Ich halte das Lächeln mit meiner Handykamera fest und stecke es in meine Tasche. So trage ich es immer bei mir, was auch geschieht.
Ich kann es immer wieder hervorholen und ansehen. Wer angelächelt wird, lächelt zurück…. ich werde daran denken.

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