Schau genau hin

Ich bin die, die im Morgennebel steht, deren Haare in der aufgehenden Sonne schimmern. Ich bin die, deren Stimme du nicht hörst, weil du dich wegdrehst, beschämt, die Augen mit Tränen gefüllt. Ich bin die, deren Hoffnung du zerstörst, deren Angst du schürst, die allein ist.
Ich bin die, die du siehst, wenn du in den Spiegel blickst, deren Augen dich erwartungsvoll anblicken. Ich bin die, die dich aus dem Spiegel heraus anlächelt, abwartend.

Ich bin die, die ihre Hand nach dir ausstreckt, die dich herüberziehen wird in die Welt, in der die Sonne scheint.

Unser Leben mit Clothilde Krähenschnabel 

Clothilde Krähenschnabel ist Einhornbändigerin und tanzt mit Feen, sie zaubert Pommes Frites und Hähnchen Nuggets zu einem gesunden Essen und Eiskrem und Schokolade sowieso. Sie lässt Tränen trocknen und besänftigt Wutanfälle. Keiner lacht so ansteckend wie Clothilde, keiner singt so schön wie sie und keiner erzählt so fantastische Geschichten. Clothilde Krähenschnabel ist einfach super.
Aber wer ist Clothilde Krähenschnabel?

Bis heute kannte ich sie nicht. Bis heute morgen als sie zwischen Haarknoten und aufssteigendem Trotz meiner sechsjährigen Tochter einfach in unser Badezimmer plumpste. Da war sie plötzlich da mit ihrem knallbunten und schillerndem Kleid. Sie brachte uns sofort zum Lachen und alles wurde leichter. Wir hoffen, sie bleibt noch lange bei uns.
Fortsetzung folgt. 🙂

Sehn-Sucht, wie es begann

Der erste Tag, an dem ich Zuviel aß, war ein Tag, wie jeder andere. Er war weder besonders laut oder leise, besonders wild oder ruhig, besonders traurig oder lustig gewesen. Es war einfach ein ganz normaler Tag. Es hatte auch nichts besonderes zu Essen gegeben. Es war einfach lecker wie immer.Nach dem ersten Teller war mein Bauch eigentlich schon satt, meine Seele aber noch nicht und deswegen gab es noch eine zweite Portion, die dann wieder so gut schmeckte, dass es noch eine dritte sein musste und eine vierte.

Danach war ich betäubt. Mein ganzer Körper war unfähig, sich zu bewegen. Ich spürte nichts, keine Scham, keine Reue, kein Wohlbefinden. Mir war auch nicht schlecht, ich war einfach nur betäubt. Mit diesem Gefühl blieb ich lange sitzen. Völlig regungslos. Ich merkte nicht, dass mein Körper begann, gegen diese Übermenge zu rebellieren, spürte nicht die kolikartigen Bauchschmerzen. Ich spürte auch nicht, wie mir langsam die Tränen übers Gesicht rannen, noch wusste ich, warum sie es taten. Es dauerte lange, bis ich wieder zu mir kam. Sehr lange. Es war wie ein Auftauchen aus einem tiefen Brunnen. Ich schnappte nach Luft und fing wieder an, mich zu spüren. Langsam kam das Leben in meinen Körper zurück und es war alles wieder da. Alles, was mich die letzten Tage so beschäftigt hatte. Mir wurde schlecht vor Angst und ich stand auf und ging in die Küche. Ich öffnete den Kühlschrank und nahm alles, was ich finden konnte. Erste Bissen machte ich noch bei offener Kühlschranktür. Ich wollte wieder hinabtauchen in den Brunnen, in die Leere, die Sorglosigkeit.

Eine neue Liebe

Es gab Zeiten, da war gute Arbeit noch etwas wert, hatte man gelernt, zu wertschätzen. In Zeiten des allseits verfügbaren Internets, Zeiten der Social Media Gemeinden, wird das „geliked“, das spontan gefällt und wieder „entliked“, wenn man merkt, dass die Like-Liste zu lang geworden ist. In diesen Zeiten wird auf allen Seiten gefordert, es wird gefeilscht und der „Geiz bleibt geil“, auch wenn der Slogan längst aus der aktuellen Werbung verschwunden ist. „Free“, das neue kostenlos, ist angesagt; wer normal kauft, ist selbst Schuld.

Wer nicht ständig neue Produkte auf den Markt bringt, kann einpacken, denn nur neu ist gut und das andere Schnee von gestern. Angefangen bei Software-Updates zieht sich der Ansturm auf neu, weil besser, schneller, moderner, aktueller, bunter, lauter, leiser, größer, kleiner, durch alle Produkte und Dienstleistungen.

Unsere Welt wird immer schneller und man muss sich schon gut festhalten, um mitzukommen.

Wer nicht mitzieht, fällt zurück, fällt aus den Communities, wieder ins reale Leben. Zurück in ein Leben, das viel langsamer ist, als das virtuelle. Zurück in ein Leben, das manchmal weniger Farben hat, manchmal auch mehr; ein Leben, das vor allem eins geben kann: Liebe.

Verlieren wir es nicht.