Der Weg

Den eigenen Weg gehen,Das eigene Päckchen tragen,

Mit den eigenen Augen sehen,

Mit den eigenen Ohren hören,

Mit der eigenen Stimme sprechen,

Die eigenen Gefühle erleben,

Das eigene Herz höher schlagen lassen,

Die eigenen Tränen weinen,

Das eigene Lachen hören,

Die eigenen Gedanken denken,

Die eigenen Träume träumen,

Das eigens erlebte fühlen, hören, riechen, schmecken;

Und dann dem Menschen davon erzählen, der dir am nächsten ist.

Nimm ihn oder sie an die Hand und geht zusammen deinen Weg…

Schau genau hin

Ich bin die, die im Morgennebel steht, deren Haare in der aufgehenden Sonne schimmern. Ich bin die, deren Stimme du nicht hörst, weil du dich wegdrehst, beschämt, die Augen mit Tränen gefüllt. Ich bin die, deren Hoffnung du zerstörst, deren Angst du schürst, die allein ist.
Ich bin die, die du siehst, wenn du in den Spiegel blickst, deren Augen dich erwartungsvoll anblicken. Ich bin die, die dich aus dem Spiegel heraus anlächelt, abwartend.

Ich bin die, die ihre Hand nach dir ausstreckt, die dich herüberziehen wird in die Welt, in der die Sonne scheint.

Eine neue Liebe

Es gab Zeiten, da war gute Arbeit noch etwas wert, hatte man gelernt, zu wertschätzen. In Zeiten des allseits verfügbaren Internets, Zeiten der Social Media Gemeinden, wird das „geliked“, das spontan gefällt und wieder „entliked“, wenn man merkt, dass die Like-Liste zu lang geworden ist. In diesen Zeiten wird auf allen Seiten gefordert, es wird gefeilscht und der „Geiz bleibt geil“, auch wenn der Slogan längst aus der aktuellen Werbung verschwunden ist. „Free“, das neue kostenlos, ist angesagt; wer normal kauft, ist selbst Schuld.

Wer nicht ständig neue Produkte auf den Markt bringt, kann einpacken, denn nur neu ist gut und das andere Schnee von gestern. Angefangen bei Software-Updates zieht sich der Ansturm auf neu, weil besser, schneller, moderner, aktueller, bunter, lauter, leiser, größer, kleiner, durch alle Produkte und Dienstleistungen.

Unsere Welt wird immer schneller und man muss sich schon gut festhalten, um mitzukommen.

Wer nicht mitzieht, fällt zurück, fällt aus den Communities, wieder ins reale Leben. Zurück in ein Leben, das viel langsamer ist, als das virtuelle. Zurück in ein Leben, das manchmal weniger Farben hat, manchmal auch mehr; ein Leben, das vor allem eins geben kann: Liebe.

Verlieren wir es nicht.

Ich bin die…

An meine Mitmenschen:Ich bin die, die nach Liebe schreit, die sich nach Anerkennung sehnt, die dir ein Lächeln zeigt und sehnsüchtig auf eine Antwort wartet. Ich bin die, die das Gute hinausrufen, aber das Schlechte für sich behalten will; aus Scham.

Ich bin die, deren Sonne an jedem Tag auf der gleichen Seite aufgeht, mal strahlend, mal Wolken verhangen. Ich bin die, die den Regenwolken entgegenlacht und sich über einen Regenbogen freut wie ein Kind. Ich bin die, die an der Supermarktkasse auf den Handgriff ihres Wagens trommelt, nicht ungeduldig, sondern ein Lied summend.

Schenke mir ein Lächeln und ich schenke dir eine Sekunde meines Lebens; schenke mir ein Lachen und ich schenke dir mein Herz – für eine kleine Zeit. Die Zeit, die uns mit Freu(n)den bleibt.

Verborgene Welt

Sie fand sich plötzlich in einem fremden Raum wieder. Wie war sie dorthin gekommen? Warum war sie hier?

Sie hörte – nichts. Kein einziges Geräusch drang von draußen herein. Selbst ihre eigenen Schritte wurden von dem Raum verschluckt. Ein beklemmendes Gefühl stieg in ihr hoch.

Sie sah sich um. Nur wenige graue Möbel, kein Schmuck, die Wände grau. In einer Ecke schlug die Tapete Falten. Sie ging näher und sah unter dem stillen grau ein zartes rosa durchblitzen.

„Wo bin ich nur?“ fragte sie sich,

„wer wohnt hier?“

Die grauen Möbel erzählten keine Geschichte. Kein Flüstern, dass aus gelebten Kratzern hätte kommen können.

Sie ging zum Fenster und erschrak: ihr Blick fiel auf eine Mauer, wieder grau. 

„Woher kommt das Licht?“ fragte sie sich. 

Sie blickte nach oben, aber eine Lampe sah sie nicht.

Verstört setzte sie sich auf den kalten Fußboden. 
Ihr fiel wieder die rosa Wand ein, die unter der Tapetenfalte hervorblitzte. „Wenn ich jetzt…“, sie zögerte. Dann stand sie langsam auf.

Ihr Blick schweifte umher. „Welche Ecke war es nochmal? Die sind alle faltig.“ Unschlüssig schaute sie von einer zur anderen. Immer wieder. „Ich werde noch ganz schwindelig!“ Sie schloss die Augen. „Da!“ Plötzlich hörte sie ein Kinderlachen. Leise, aber es war da. Sie riss die Augen auf. „Hallo?“ Was war mit ihrer Stimme los? Hatte sie gesprochen? „Hallo, ist da jemand?“ Nichts, kein Nachhall ihres Rufes. Oder hatte sie die Worte nur gedacht? „Was ist das hier für ein komischer… da, wieder das Kinderlachen.“

Sie lief zu der Ecke hin, aus der es kam. „Oder“, dachte sie nur, „wenn das nicht die richtige Ecke war“ Nein, da war sie, die Falte, die Lücke in der Tapete, das Rosa. Sie zögerte wieder, atmete tief durch und löste vorsichtig die ersten Zentimeter. Dann wurde sie mutiger und ergriff mit beiden Händen die Tapete und zog kräftig. 
Sie glaubte ihren Augen kaum. Was sie da zu sehen bekam, war schöner als in ihren Träumen; der Anblick war bezaubernd:

Vor ihr erbot sich ein Bild einer längst vergessenen Welt, einer längst vergessenen Zeit. „Was ist das?“sie brauchte einige Zeit, bis sie verstand, was sie da sah, verstand, warum sie es sah.

Sie entfernte die gesamte Tapetenbahn und ging einen Schritt auf die Wand zu. Aber da war keine Wand mehr. Das vermeintliche Bild war keines, sondern vor ihr begann plötzlich ein Weg in einen zauberhaften Garten. Sie wagte den ersten Schritt und lauschte verzückt dem Kies, der unter ihren Schuhen knirschte. „Oh wie schön“, jauchzte sie und machte einen kleinen Hüpfer. Sie ging weiter und sah auf einer Lichtung eine Schaukel stehen, die hin und her schwang. Schnell wollte sie wissen, wer denn da schaukelte, als sie wieder das Kinderlachen hörte. Ihr Herz machte einen kleinen Satz. Die Stimme kannte sie. „Wer ist das?“ fragte sie sich und ihre Schritte wurden schneller. Als der Weg eine Biegung machte, hielt sie noch einmal kurz inne und blickte zurück. Das Zimmer verblasste wie eine unbedeutende Erinnerung. Zufrieden ging sie weiter, wurde wieder schneller, das Lachen lauter. Als sie um die Ecke gebogen war und die Lichtung einsehen konnte, wusste sie plötzlich, wer das kleine Mädchen war, das sie gehört hatte. Sie war erleichtert und sehr glücklich.

Aufruf

Ich möchte weinen. Weinen um die Kinder, die keine Kindheit haben, weinen um die Eltern, die keine Kinder mehr haben, weinen um uns alle, die wir uns vergessen und nur nebeneinander her leben.Ich habe keine Tränen mehr.
Lasst uns aufwachen und die Hände nacheinander ausstrecken. Lasst uns die Kinder an die Hand nehmen und ihnen die bunte Welt zeigen, nehmt die verlorenen Eltern an die Hand und führt sie hinaus aus der Dunkelheit.

Lasst uns gemeinsam an einer Welt arbeiten, in der Gemeinschaft kein leeres Wort ist; eine Welt, in der das lauteste Geräusch Kinderlachen ist. Eine Welt, in der wir wieder weinen können. Vor Freude.

„Ich warte auf den Frieden.“

Das kleine Mädchen hüpft die Straße hinunter und sieht einen Mann auf einer Bank sitzen. Das kleine Mädchen spricht ihn an: „Was machst du?“Der Mann antwortet: „Ich warte.“

Das Mädchen nickt und fragt dann noch einmal nach: „Worauf wartest du?“

„Auf den Frieden“, antwortet der Mann, „auf den Frieden“.

Das kleine Mädchen leg den Kopf schief und fragt noch einmal nach: „Was ist Frieden?“
Da sieht der Mann plötzlich traurig aus und seine Augen füllen sich mit Tränen.

„Setz dich“, sagt er, „ich will dir vom Frieden erzählen.“ Und er erzählt ihr von einer Welt, in der es keine Dunkelheit in den Herzen der Menschen gab und alle gut zusammen lebten.
„Ich warte mit dir“, sagt das Mädchen bestimmt. „Wenn mehr auf den Frieden warten, kommt er schneller“.

Das Wesentliche ist für die Augen…

Die kleine, dicke, hässliche Frau sitzt auf einer Parkbank. Sie sitzt dort allein und hat ihr Gesicht in ihren Händen verborgen. Die kleine, dicke, hässliche Frau sitzt und weint. Sie weint ganz leise. Es ist kaum zu hören.Die kleine, dicke, hässliche Frau sitzt, weint und sonst ist es ruhig.

Plötzlich landet ein kleiner Vogel neben ihrem Schuh.
Ein bisschen fühlt man sich an das Kinderlied „Kommt ein Vogel geflogen“ erinnert. 
Die kleine, dicke, hässliche Frau bemerkt den Vogel nicht. Ihre leisen Tränen fallen fast ungesehen in ihren Schoß.
Der Vogel sieht sie. Er sieht die Frau, er sieht die Tränen und beginnt zu singen. Zuerst ganz leise, dann etwas kräftiger.
Jetzt kullern keine Tränen mehr und die kleine, dicke, hässliche Frau zuckt mit den Schultern. Dann öffnet sie ihre Hände einen Spalt und ihre roten verweinten Augen suchen den kleinen Sänger.
Dieser setzt zum Höhepunkt seiner Darbietung an und singt mit aller Kraft.
Da sinken die Hände der kleinen, dicken Frau. Ihre roten, verweinten Augen fallen auf den kleinen Caruso vor ihr. Es ist, als ob sich ihre Blicke treffen.
Der Vogel hält kurz inne und singt dann ganz sanft weiter. Er hat in ihr Herz geblickt. In das Herz der kleinen Frau, die nun sogar ein bisschen lächelt.

Weihnachtlich

„Dunkel hier. –
Da sehe ich Licht! Es raschelt…
Juhu, heute bin ich dran!

Ja, was sehe ich denn da, rotblonde Haare, aha. Und singen kann sie auch, schön.
Nun ist sie weg. Oha, hab ich sie erschreckt? Hab ich komisch geguckt? Ist sie geflohen?
Nein, da ist sie wieder mit… einer roten Schüssel! Oh, ist die schön! Innen glänzend weiß. Da will ich rein. Bitte!

Und hops, geschafft. Was war das eine lustige Rutschpartie.
Aber Moment. Das ist nicht die rote Schüssel! Was soll ich denn hier? Die hier ist komisch und Gelb. Ich will hier raus!

Ah, sie hat mich gehört, ich rutsche schon wieder. Und diesmal – ja, das ist meine rote Schüssel, innen schick weiß. Herrlich! Fühlt sich wirklich gut an.

Nanu, was ist das denn? Es klopft. Wer das wohl ist? Bekommen wir Besuch?
Ui, das ist glitschig.
Und schon wieder – Klopf und Platsch.

Was murmelt sie da? Zwei Eier? Aha, dann seid ihr wohl Eier. Nett, eure Bekanntschaft zu machen.
Hallo?
Sprecht wohl nicht mit jedem, was?!
Schon wieder ein komisches Geräusch und – Aua!
Schon wieder glitschig und seltsam. Was soll das hier geben?

Zucker murmelt sie jetzt, was das wohl ist? Bitte nicht wieder so was Glitschiges.
Hey ich will ja nicht unhöflich sein, aber glitschig haben wir jetzt genug!
Oh, das sieht ja toll aus. Wie kleine Spiegel. Wirklich schick!
Das nächste riecht toll, so… hatschi!
Ist das dieses weihnachtlich, von dem sie vorhin gesungen hat?

Und nun?
Sie ist weg. War’s das jetzt? Ja, aber was mache ich jetzt hier, wenn doch keiner mit mir redet? Hilfe!
Ha, sie hat mich gehört. Ich freu mich.

Oh, aber nein, was will sie denn mit solchen krummen Dingern? Warum sollen die auch noch in meine Schüssel rein?
Nein, das möchte ich nicht! Das tut bestimmt wieder weh!
Huch!

Mmmh angenehm, wirklich lustig so ein Wirbel. Mir wird ganz schwindelig. Ich… ich… ich muss die Augen zu machen! –
Ach, war das schön!
Können wir bitte nochmal…?

Schon wieder rutschen angesagt. Oooh, gerade nochmal gut gegangen.
Was wird das denn jetzt?
Sind das…? Ja, ihre Hände, die hab ich schon gesehen. Was wird das? Ich… ach schön, sie rubbelt mir auf dem Rücken entlang. Danke!
Und jetzt? Was ist das für ein klebriges Ding? Wenn ich da mal nicht d’ran hängen bleibe.
Oh, sie packt uns ein. Was sind wir? Ein Geschenk?
Da, es wird noch heller! Aber nein, es wird kalt. Brrrr, das gefällt mir gar nicht. Und das Licht ist auch schon wieder aus.
Ich will hier raus!

Was sie wohl gerade macht?
Ich hör‘ sie immer noch singen. Kann sie ganz gut.
Und nun? Da klingelt was und sie singt nicht mehr. Spricht ganz komisch. Schade.

Ha, nun singt sie wieder, endlich!
Die Musik ist auch lauter geworden und –
Das Licht ist wieder da und da ist sie. Ach, sie hat wirklich tolle Haare!
Na endlich. Ich will ja nicht meckern, aber im Dunkeln war es kalt. Sehr kalt!

Was kommt jetzt?
Genau, erst’mal weg mit dem klebrigen Zeug!
Moment ich… halt!
Fast wäre ich an dem klebrigen Ding hängen geblieben. Nicht auszudenken.
Oh, noch eine Massage. wirklich sehr nett. Aber kalt ist mir immer noch.
Und was ist das für ein Ding? Es blinkt irgendwie komisch.
Oha, scheint scharf zu sein, wir werden zerteilt. Und landen wo bitte?

Moment, den will ich bei mir haben, hier ‚rüber!
Geschafft und schon wieder liege ich ‚rum. Diesmal auf einem braunen Knisterpapier. Wenigstens klebt es nicht.
Dafür kann ich die anderen von uns nur noch sehen und nicht anfassen. Schade.

Oje, es wackelt alles! Was ist das denn schon wieder?
Es knarrt. Und… mann ist das jetzt warm. Nein, heiß. Oh wie schön!
Das gefällt mir, hier bleib ich.
Und es duftet herrlich! Ist das nun weihnachtlich?
Es knarrt schon wieder.
Muss ich schon wieder hier raus? Och schade!

Was eine Wackelpartie und rutschen dürfen wir auch schon wieder. Hui!
Aber das Ding ist ungemütlich!
Es glänzt, ok, aber bequem ist ‚was anderes. Das habe ich mir mit dem weihnachtlich anders vorgestellt. –
Hach, sie singt immer noch und sie freut sich. Ob ich ihr gefalle?

Was hat sie denn da in der Hand? Wieder ganz schick rot! Ich glaube, sie mag rot.
Ob sie weiß, dass ich auch rot mag?
Wenn ich mal freundlich lächle?
Nein, sie hat mich nicht gesehen. Schade.
Dafür darf ich wieder rutschen. Hui!
Und alle sind wir wieder zusammen und es riecht schon wieder so lecker. Schön.
Aber, was ist das denn? Hilfe! Es ist schon wieder so dunkel.
Und es wackelt. Du meine Güte.

Und nun ist es… still. Schrecklich still und langsam wird es wieder kalt.
Wo sind wir hier?
Und wie lange?
Sie war doch vorhin so glücklich? Warum packt sie uns jetzt weg? Hab ich was falsch gemacht?
Hallo?
Hört mich jemand?
Hallo!
Also warten. Aber worauf? –

Oh, da bin ich tatsächlich eingeschlafen. Na, hat keiner mitbekommen oder den anderen ging es genauso. War ja auch dunkel, kalt und schrecklich langweilig.
Und jetzt? Es wird wieder hell und warm! Schön.

Und da ist sie wieder. Heute sieht sie noch schöner aus. Und gesungen wird auch schon wieder. Ach, ich mag sie so!

Diesmal dürfen wir nicht rutschen.
Sie legt uns vorsichtig auf einen Teller. Der glänzt und ist – natürlich – rot. Ja, sie mag rot. Sie gefällt mir immer besser!
Da nehme ich auch das Wackeln in Kauf. Es geht nämlich ins Warme. So mollig warm.
Und es riecht so anders. Den Geruch kenne ich noch nicht. Ob das dieses weihnachtlich ist?

Oh, andere Stimmen! Zwei davon sind viel höher als ihre. Ach, das müssen Englein sein. Davon hat sie doch gesungen, oder?

Sind das die beiden? So blaue Augen habe ich ja noch nie gesehen! Und wie die leuchten!
Das muss weihnachtlich sein! Es ist so schön!

Jetzt nimmt mich eine kleine Hand und gibt mir einen Kuss. Das ist ja lieb!
Was hat er gesagt? So lecker?

Na dann, lass es dir schmecken, mein kleiner Engel.
Und Frohe Weihnachten!