Vollblut-Mamis zu Ernährung im ersten Lebensjahr

In Mütter-Foren unterscheidet man unter anderem zwei Arten von Müttern: diejenigen, die ihren Kindern Menüs aus dem Glas füttern und diejenigen, die selbst kochen. 

Wie es immer so ist, sind die Fronten oft verhärtet und jede Seite sieht ihren Weg als „richtig und wahr“ an. Die Wahrheit ist dagegen eine andere:

Die „Ich-fütter-Gläschen-Mami“ ist selbstbewusst, informiert, verantwortungsvoll und umweltbewusst. Sie will das beste für ihr Kind und weiß, dass weiß, dass sie es in Gläschenform bekommt. Sie genießt die Zeit, die ihr wegen des gesparten Kochens bleibt, mit ihrem Kind oder kümmert sich um sich selbst. Sie achtet stets auf die Zutatenlisten, freut sich, dass ihr Kind abwechslungsreiche Menüs und viele verschiedene Zutaten kennen lernt und recycelt die meisten der leeren Gläser. Die anderen hebt sie für Teelichter-Basteln mit dem Nachwuchs auf oder verschenkt darin leckere Chutneys, die sie während des Mittagsschlafes ihres Kindes zubereitet.
Sie ist eine Vollblut-Mami.
Die „Ich-koche-alles-selbst-Mami“ ist selbstbewusst, informiert, verantwortungsvoll und umweltbewusst. Sie will das beste für Ihr Kind und weiß, dass sie es in Biomärkten und in Supermärkten bekommt. Während des Mittagsschlafes Ihres Babys oder der Papi-Zeit kocht sie mehrere Menüs auf Vorrat. Sie freut sich über die abwechslungsreiche Kost und darüber, dass ihr Baby beim Kochen auch schonmal an einer Möhre lutscht. Angelehnt an den elterlichen Speiseplan lernt das Baby früh Die familiären Kochgewohnheiten kennen.

Sie ist eine Vollblut-Mami.
Ich finde beide Mamis toll und gehöre beiden Seiten an 🙂

„Ich-fütter-Gläschen-Mami“ ist selbstbewusst, informiert, verantwortungsvoll

und

umweltbewusst. Sie will das beste für ihr Kind und weiß, dass weiß, dass si

e es in Gläschenform bekommt. Sie genießt die Zeit, 

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Kindermund – und wie man es am besten in Social Media postet

Der Moment, an dem deine Tochter auf deinen Kommentar „wir gehen gleich mal raus, ich brauche frische Luft“ mit „dann mach doch das Fenster auf“ antwortet, ist der, an dem du erkennst, das sie groß geworden ist (die Zwillinge werden 5).

Bevor Fragen oder fragwürdige Kommentare kommen…
… Ja, meine Kinder gehen täglich raus,
… Ja, sie laufen an der Straße an der Hand (waren einkaufen),
… Nein, Rucksack-Leinen hatten wir nie und ja, sie sind schon immer gut an der Hand gelaufen,
… Ja, in unseren Supermarkt dürfen wir wiederkommen, weil
… Ja, meine beiden hören, obwohl ich sie beim Einkaufen nicht an der Hand habe,
… Ja, Regenjacken hatten sie an, und ja, auch mit Reflektoren dran,
… Nein, sie waren nicht gleich angezogen, da ich einen Jungen und ein Mädchen habe. Das Kind in der blauen Jacke war mein Sohn,
… Ja, sie haben etwas bekommen, aber
… Nein, nichts zu essen, obwohl wir nichts dabei hatten, und obwohl ein Bäcker neben dem Supermarkt ist,
… Nein, zu trinken hatten wir auch nix dabei,
… Nein, ihr „Goodie“ habe ich ihnen nicht getragen, das mussten sie schon selbst,
… Ja, es geht den beiden immer noch gut, sie sind nur müde (nach über 4 km Fußmarsch)
… Und ja, ich bin glücklich so wie es ist und platze vor Stolz

Und nun hoffe ich, dass ich nichts vergessen habe.

Afrika hat gerufen

Die Erinnerungen an ihr Brautkleid verblassten langsam. Wurden überdeckt von den farbenfrohen Bildern ihres neuen Zuhauses.
An einem kalten und windigen Frühlingstag war sie stolz an der Seite des „Afrikaners“ zum Altar geschritten. Braun gebrannt war er immer noch, groß und schlank. Seine blauen Augen wie immer leuchtend vor Lebensfreude. Ihr „ja“ war fest und sicher. Sie freute sich auf ihre Zukunft mit ihm an der Seite. Hatten sie nun so lange aufeinander gewartet…

Das war nun einige Monate her. Brigitte saß in ihrem neuen Esszimmer und schrieb einen Brief an Zuhause. Zuhause… das war nun hier. Fernab von all den bisher gekannten Lieben. Ohne Heimweh, sondern voller Vorfreude, auf all das, was noch auf sie wartete, genoss sie ihr neues Leben in Afrika.

 

Ich folge meinem Traum

Seit langem träume ich davon, ein Buch zu schreiben.

Da es bis dahin noch ein weiter Weg ist, habe ich mich entschieden, das, was mir durch den Kopf geistert, einfach in die Welt zu posten für alle die, die es lesen möchten.

Ich freue mich über eure Kommentare und Meinungen und schreibe einfach weiter….

 

Wer ich bin:

Ich bin eine weiße Hexe aus Afrika und liebe es, zu schreiben.

Bisher habe ich das in sozialen Netzwerken oder in online Zeitungen getan, ab sofort auf meinem eigenen Blog.

Freut euch auf Beiträge zum Nachdenken, zum Träumen, zum Schmunzeln, ernstes, lustiges, und fantastisches.

Bis er die Hand erhob

Wenn der Verlobungsring herunterfällt…

Dann ist das ein schlechtes Omen; dann sollte das eine Warnung sein, das diese Verbindung nicht glücklich sein kann.
Welcher vermeintlich glücklich Verliebte sieht das oder will es sehen?

Hinterher ist man immer schlauer, so denkt auch Mia, die mit fast 30 kurz vor ihrer Hochzeit steht. Diesmal ohne Verlobung vorher. Ohne vorheriges Zusammenziehen. Einfach der Sprung ins kalte Wasser. Diesmal mit dem Richtigen. Und diesmal fühlte sich auch alles richtig an. Keine Angst mehr, kein komisches Gefühl.

Das war schon einmal anders –

Sie war damals gerade 20, voller Lebensfreude und neugierig auf das Leben, das auf sie wartete. In dieser Zeit begegnete sie Ihm. Einen Namen hat er in ihrem Leben nicht mehr und das ist auch besser so.

Sie kannten sich aus der Kindheit und auf den zweiten Blick war sie hin und weg. Er sollte ihr neues Leben werden, ihr Halt, ihr Anker, ihr – alles. Es kam so völlig anders.

Sie begann eine Ausbildung und hatte bald einen guten Namen in dem Betrieb. Der Beruf lag ihr, sie hatte Spaß. Leider half beides nicht, dass sie eine Festanstellung bekam. Die Zeiten waren hart und sie musste sich nach der Prüfung eine neue Stelle suchen. Sie wählte das Erstbeste und im Nachhinein kommt ihr der Gedanke, dass wohl auch er der erstbeste gewesen war. Beides war nicht die richtige Wahl.

Hinterher ist man eben immer schlauer.

Von da an war ihr beruflicher und privater Alltag geprägt von verächtlichen Äußerungen und Demütigungen.

„Sie können das nicht!“ hörte sie ebenso oft wie „Wenn Sie vielleicht das wenigstens richtig machen könnten“. Ein neutraler Beobachter hätte das nicht nachvollziehen können. Stand doch im Ausbildungszeugnis nur positives und herausragendes.
Und Sie? Sie hörte es, fühlte die Ohrfeigen und ließ sich erniedrigen. Sie fühlte sich allein.

Im privaten Alltag wurde das fortgeführt – von der vermeintlich großen Liebe ihres Lebens. Täglich, mal mehr mal weniger, immer und immer wieder. Bis sie klein war, ganz klein.
Mit seinem „Schau dich doch mal an, wie dick du bist!“ und „Willst du noch mehr essen, damit du noch dicker wirst?“ erreichte er nur das Gegenteil.

Sie war innerlich inzwischen wieder ein „kleines Mädchen“ geworden, das sich in eine eigene Welt flüchtete. In eine Welt, in der Essen sie tröstete und zum fast einzigen Freund wurde, der da war, immer.

Der Strudel ins Unheil hatte begonnen und nahm seinen Lauf. Jeder Tag wurde zum Spießrutenlaufen in der Firma und privat.

Dem beruflichen Wahnsinn konnte sie durch einen Umzug entkommen und fand eine Stelle, bei der ihre beruflichen Qualitäten nicht nur gesehen und geschätzt, sondern auch gefördert wurden. Den privaten Wahnsinn wollte sie nach wie vor nicht sehen und tat nach einiger Zeit das Unvermeidbare: Sie zog mit Ihm zusammen und hoffte, dass es von nun an besser werden würde. Eine neue Stadt, neue Freunde, ein Neubeginn für sie beide.

Aber …

Mit seinem Heiratsantrag wurde alles noch schlimmer!

Sie waren übers Wochenende zu Freunden gefahren und wollten dort Verlobung feiern. Beim Antrag dann passierte es: der Ring fiel und blieb verschwunden.

War es das? Verspürte sie Erleichterung?

Nein, denn er tauchte wieder auf und wurde an den Finger gesteckt, fiel später abermals runter und blieb die Nacht verschwunden. Erst am nächsten Tag landete er da, wo er hinsollte. Noch zu früh für sie, um aufzuwachen. Dazu sollte sie noch ein weiteres Jahr brauchen.

Hilflose Versuche, zu gehen, wurden von seinen Freunden im Kein erstickt „Er trägt dich doch auf Händen.“ Wenn die gewusst hätten.

Ihre Freunde wussten nichts.

Die wenigen, die noch geblieben waren.

Der Anfang vom Ende folgte bei einem weiteren Antrag in einem größeren Urlaub über den Dächern einer großen Stadt. Nur widerwillig war sie den Aufstieg zum Aussichtsturm gegangen. Sie war zu müde von der Stadtbesichtigung am Tag, war zu kraftlos, am Ende ihrer Kräfte. Oben angekommen, begann sie langsam aufzuwachen, sehr langsam, zu langsam.

Seinen Antrag nahm sie an. Sie war zu müde, um ihn abzulehnen. Der Hochzeitstermin wurde festgelegt. Eine Zeit lang ging es besser. Er bemühte sich, es hatte den Anschein.
Bis, ja bis zu einem Nachmittag, an dem er die Hand erhob.

Da wusste Mia, es war Zeit zu gehen. Und das tat sie. Erhobenen Hauptes, erstarkt aus den ganzen Demütigungen und Unterdrückungen. Sie ging fast wortlos und ließ ihn allein zurück, allein und klein. Sie fühlte – nichts mehr.

Heute, fünf Jahre später, steht wieder ein Hochzeitstermin fest. Tom ist der Auswählte. So lange kennen sie sich noch nicht, aber es passt. Von Anfang an, einfach alles. Diesmal wird sie nicht nur dem Anschein nach auf Händen getragen, sondern buchstäblich. Von Anfang an. Mit allen Ecken und Kanten wird sie geliebt. So wie es sein soll!

Weihnachtlich

„Dunkel hier. –
Da sehe ich Licht! Es raschelt…
Juhu, heute bin ich dran!

Ja, was sehe ich denn da, rotblonde Haare, aha. Und singen kann sie auch, schön.
Nun ist sie weg. Oha, hab ich sie erschreckt? Hab ich komisch geguckt? Ist sie geflohen?
Nein, da ist sie wieder mit… einer roten Schüssel! Oh, ist die schön! Innen glänzend weiß. Da will ich rein. Bitte!

Und hops, geschafft. Was war das eine lustige Rutschpartie.
Aber Moment. Das ist nicht die rote Schüssel! Was soll ich denn hier? Die hier ist komisch und Gelb. Ich will hier raus!

Ah, sie hat mich gehört, ich rutsche schon wieder. Und diesmal – ja, das ist meine rote Schüssel, innen schick weiß. Herrlich! Fühlt sich wirklich gut an.

Nanu, was ist das denn? Es klopft. Wer das wohl ist? Bekommen wir Besuch?
Ui, das ist glitschig.
Und schon wieder – Klopf und Platsch.

Was murmelt sie da? Zwei Eier? Aha, dann seid ihr wohl Eier. Nett, eure Bekanntschaft zu machen.
Hallo?
Sprecht wohl nicht mit jedem, was?!
Schon wieder ein komisches Geräusch und – Aua!
Schon wieder glitschig und seltsam. Was soll das hier geben?

Zucker murmelt sie jetzt, was das wohl ist? Bitte nicht wieder so was Glitschiges.
Hey ich will ja nicht unhöflich sein, aber glitschig haben wir jetzt genug!
Oh, das sieht ja toll aus. Wie kleine Spiegel. Wirklich schick!
Das nächste riecht toll, so… hatschi!
Ist das dieses weihnachtlich, von dem sie vorhin gesungen hat?

Und nun?
Sie ist weg. War’s das jetzt? Ja, aber was mache ich jetzt hier, wenn doch keiner mit mir redet? Hilfe!
Ha, sie hat mich gehört. Ich freu mich.

Oh, aber nein, was will sie denn mit solchen krummen Dingern? Warum sollen die auch noch in meine Schüssel rein?
Nein, das möchte ich nicht! Das tut bestimmt wieder weh!
Huch!

Mmmh angenehm, wirklich lustig so ein Wirbel. Mir wird ganz schwindelig. Ich… ich… ich muss die Augen zu machen! –
Ach, war das schön!
Können wir bitte nochmal…?

Schon wieder rutschen angesagt. Oooh, gerade nochmal gut gegangen.
Was wird das denn jetzt?
Sind das…? Ja, ihre Hände, die hab ich schon gesehen. Was wird das? Ich… ach schön, sie rubbelt mir auf dem Rücken entlang. Danke!
Und jetzt? Was ist das für ein klebriges Ding? Wenn ich da mal nicht d’ran hängen bleibe.
Oh, sie packt uns ein. Was sind wir? Ein Geschenk?
Da, es wird noch heller! Aber nein, es wird kalt. Brrrr, das gefällt mir gar nicht. Und das Licht ist auch schon wieder aus.
Ich will hier raus!

Was sie wohl gerade macht?
Ich hör‘ sie immer noch singen. Kann sie ganz gut.
Und nun? Da klingelt was und sie singt nicht mehr. Spricht ganz komisch. Schade.

Ha, nun singt sie wieder, endlich!
Die Musik ist auch lauter geworden und –
Das Licht ist wieder da und da ist sie. Ach, sie hat wirklich tolle Haare!
Na endlich. Ich will ja nicht meckern, aber im Dunkeln war es kalt. Sehr kalt!

Was kommt jetzt?
Genau, erst’mal weg mit dem klebrigen Zeug!
Moment ich… halt!
Fast wäre ich an dem klebrigen Ding hängen geblieben. Nicht auszudenken.
Oh, noch eine Massage. wirklich sehr nett. Aber kalt ist mir immer noch.
Und was ist das für ein Ding? Es blinkt irgendwie komisch.
Oha, scheint scharf zu sein, wir werden zerteilt. Und landen wo bitte?

Moment, den will ich bei mir haben, hier ‚rüber!
Geschafft und schon wieder liege ich ‚rum. Diesmal auf einem braunen Knisterpapier. Wenigstens klebt es nicht.
Dafür kann ich die anderen von uns nur noch sehen und nicht anfassen. Schade.

Oje, es wackelt alles! Was ist das denn schon wieder?
Es knarrt. Und… mann ist das jetzt warm. Nein, heiß. Oh wie schön!
Das gefällt mir, hier bleib ich.
Und es duftet herrlich! Ist das nun weihnachtlich?
Es knarrt schon wieder.
Muss ich schon wieder hier raus? Och schade!

Was eine Wackelpartie und rutschen dürfen wir auch schon wieder. Hui!
Aber das Ding ist ungemütlich!
Es glänzt, ok, aber bequem ist ‚was anderes. Das habe ich mir mit dem weihnachtlich anders vorgestellt. –
Hach, sie singt immer noch und sie freut sich. Ob ich ihr gefalle?

Was hat sie denn da in der Hand? Wieder ganz schick rot! Ich glaube, sie mag rot.
Ob sie weiß, dass ich auch rot mag?
Wenn ich mal freundlich lächle?
Nein, sie hat mich nicht gesehen. Schade.
Dafür darf ich wieder rutschen. Hui!
Und alle sind wir wieder zusammen und es riecht schon wieder so lecker. Schön.
Aber, was ist das denn? Hilfe! Es ist schon wieder so dunkel.
Und es wackelt. Du meine Güte.

Und nun ist es… still. Schrecklich still und langsam wird es wieder kalt.
Wo sind wir hier?
Und wie lange?
Sie war doch vorhin so glücklich? Warum packt sie uns jetzt weg? Hab ich was falsch gemacht?
Hallo?
Hört mich jemand?
Hallo!
Also warten. Aber worauf? –

Oh, da bin ich tatsächlich eingeschlafen. Na, hat keiner mitbekommen oder den anderen ging es genauso. War ja auch dunkel, kalt und schrecklich langweilig.
Und jetzt? Es wird wieder hell und warm! Schön.

Und da ist sie wieder. Heute sieht sie noch schöner aus. Und gesungen wird auch schon wieder. Ach, ich mag sie so!

Diesmal dürfen wir nicht rutschen.
Sie legt uns vorsichtig auf einen Teller. Der glänzt und ist – natürlich – rot. Ja, sie mag rot. Sie gefällt mir immer besser!
Da nehme ich auch das Wackeln in Kauf. Es geht nämlich ins Warme. So mollig warm.
Und es riecht so anders. Den Geruch kenne ich noch nicht. Ob das dieses weihnachtlich ist?

Oh, andere Stimmen! Zwei davon sind viel höher als ihre. Ach, das müssen Englein sein. Davon hat sie doch gesungen, oder?

Sind das die beiden? So blaue Augen habe ich ja noch nie gesehen! Und wie die leuchten!
Das muss weihnachtlich sein! Es ist so schön!

Jetzt nimmt mich eine kleine Hand und gibt mir einen Kuss. Das ist ja lieb!
Was hat er gesagt? So lecker?

Na dann, lass es dir schmecken, mein kleiner Engel.
Und Frohe Weihnachten!

Was meine Tochter von meiner Mutter lernen kann

Eine aktuelle Situation regte mich an, über meine Beziehungen zu meiner Mutter und die zu meiner Tochter nachzudenken.

Die Beziehung zu meiner Tochter ist noch einfach: sie ist vier und ich bin ihre Freundin, Lieblingszauberfee und Königin. Wir verstehen uns super, weil und obwohl sie mir sehr ähnlich ist. Dennoch –

In Momenten, in denen meine vierjährige Tochter ein „das kann ich nicht“-Verhalten an den Tag legt und mir zeigt, dass sie aufgeben will, habe ich mich schon einmal ertappt, ihr ein „nimm den Kopf hoch, du bist meine Tochter!“ an den Kopf zu donnern. Liebevoll, aber…

Ja, sie ist meine Tochter, worauf wir beide stolz sind. Aber sie ist nicht ich! Sie ist sie selbst und darf genau so sein, wie sie eben ist. Was eines Tages aus ihr werden wird, weiß niemand. Es wird spannend sein, ihr bei ihrem Weg zuzusehen und Hilfestellung zu geben. Das, was sich jede Tochter wünscht: den eigenen Weg finden, sich finden.

Wie gelingt das?

Eine Mutter ist in erster Linie eine Frau. Bevor sie das wurde, war sie schon Tochter. Tochter ihrer Mutter und damit mittendrin in einer komplizierten Generationenfolge. Kompliziert, weil jede Mutter eine Tochter ist, die eine Mutter hat. Damit lebt jede Frau ihr Leben, geprägt von der eigenen Mutter.

Um meine Ausführungen nicht zu abstrakt werden zu lassen, erzähle ich ein wenig von meiner eigenen Familie: Meine Mutter wurde 1942 geboren. Als klassisches Kriegskind wuchs sie während des Aufbaus und des Wirtschaftswunders auf. Leider weiß ich von dieser Zeit über meine Mutter wenig. Über die Kindheit während des Krieges und den Hunger schon eher.

Meine Großmutter, die meine Mutter prägte, ist 1917 geboren. Ebenfalls ein Kriegskind. Als junge Mutter hat sie den zweiten Weltkrieg erlebt und überlebt. Kämpfte für und mit ihrer Familie ums Überleben. Soweit der Hintergrund.

Was wissen wir über das Frauenbild der 60er Jahre?

Eine junge Frau ging nach dem Schulabschluss selten studieren, lernte „was Solides“ und heiratete. Die Brautmütter gaben ihren Töchtern genau das mit auf den Weg, was sie selbst gelernt hatten: Sei eine gute Ehefrau und später eine gute Mutter. „Kinder, Kirche, Küche“ war nicht nur in katholischen Haushalten, wie dem von meiner Großmutter, das Lebensmotto.

Rebellen (zum Beispiel Twiggy) sahen anders aus, dachten anders und passten so nicht in das Gesellschaftbild. Wer plötzlich anders sein wollte, dies möglichst lautstark kundtat, wurde als nicht erwachsen angesehen und damit als nicht vollwertig.

Meine Mutter heiratete 1967. Die Flower-Power-Rebellenzeit hat sie im Ausland verbracht. Aber sie war ja ohnehin schon verheiratet und wenn man Feministinnen aus der Zeit Glauben schenken mag „in Ketten“.

Lange habe ich nachgedacht, ob meine Mutter in ihrem Leben vielleicht zu wenig rebellisch war? Ob sie mich gar beneidet, dass ich für mich aufstehen kann? Und obwohl meine Mutter sich bester Gesundheit erfreut, weiß ich, dass sie mir das nie beantworten wird. Aus Selbstschutz? Vielleicht.

Jede Generation färbt das, was sie an die jüngere weitergibt, ein wenig ein. Um bei meiner Familie zu bleiben und um noch bildhafter zu werden, ordne ich jeder Frauengeneration eine entsprechende Farbe zu:

Meine Oma, die der Zeit angepasst eher kühl aufwuchs, die Farbe Blau. Sie gab also ihre blauen Erfahrungen an ihre erwachsene Tochter weiter.

Meine Mutter, ihrer Mutter durch ähnliche Lebenserfahrungen recht ähnlich, schmückte ihr Leben grün aus. Mit dem Blau ihrer Mutter wurde es ein Türkisgrün.

Ich selbst bin ein Kind der 70er.

Mitten in der Flower-Power-Zeit kam ich 1974 zur Welt. Ich war von Anfang an ein Wirbelwind, ein klassischer Trotzkopf. Selbstsicherheit war mir zwar nicht in die Wiege gelegt worden, aber ich arbeitete schon früh daran und malte meine Welt auffallend rot. Wenn ich so zurückdenke, wurde ich nach der Pubertät zur Rebellin. Knallrot eben, Tupfen der früheren Generationen ließ ich kaum zu. Wurde ich damit unbequem?

Wollen uns unsere türkisgrünen Mütter in ein Bild drücken, das ihnen lieb ist? Aus Angst vor dem Anderen? Weil eine Rebellin eben nicht sein soll? Schwingt in der Ablehnung des Anderen auch eine Sehnsucht nach dem eigenen Ausbruch mit?

Wir wissen, dass sich das Leben in den vergangen Jahrzehnten stark verändert hat. Der Feminismus hat zwar noch nicht gesiegt, dennoch wirkt es in einem Land, dem eine Frau als Regierende vorsteht, so, dass Frauen alles erreichen können:

Töchter gehen selbstverständlich studieren, heiraten spät oder gar nicht und bekommen früh, spät oder gar keine Kinder. Die Karriere erfolgt vorher, parallel oder hinterher. Der Freundeskreis erstreckt sich dank Social Media weit über den nachbarschaftlichen Gartenzaun hinaus in die ganze Welt. In Kontakt bleiben und am jeweiligen Leben teilhaben, ist einfach geworden, egal wo man zu Hause ist.

Für die Frauen früherer Generationen ist das eine nicht greifbare Entwicklung. Sie denken anders, weil sie es so gelernt haben. Sie haben blaue Tupfen in ihr Grün bekommen. Wie hätten sie etwas anderes weitergeben können?

Zurück zu unserer Familie: Meine letzte rebellische Handlung war, meine Haare kurz zu schneiden und mir bunte Strähnchen machen zu lassen. Zur Erinnerung, ich bin 40, nicht 12. Ich bezeichne mich selbst als bunt und laut. Nicht, weil ich eine kräftige Stimme habe, obwohl das so ist. Sondern weil ich gern im Mittelpunkt stehe. Einfach mittendrin. Ich gehe nicht gern in der Masse unter.

Diese Grundeinstellung, die ich an mir als Tochter und Frau liebe, macht mir als Mutter Angst. Vor vier Jahren wurde ich Mutter eines zauberhaften kleinen Mädchens. Ihre Farbe ist gelb, ein strahlendes Gelb.

Sie wird eines Tages in die Welt hinaus gehen und den Farbtupfer, den sie von mir und den früheren Generationen mitbekommen hat, in ihre eigene Farbe mischen. Ich hoffe, dass ihr Gelb das Strahlen dadurch nicht verlieren wird, dass es nicht zu sehr verfärbt.

Ich werde mich dafür zurücknehmen müssen. Als Mutter, nicht als Frau. Denn ich lebe mein Leben weiter, genieße es in vollen Zügen.

Als Mutter werde ich versuchen, meiner Tochter so viel Raum zu geben, wie sie für ihre Entwicklung braucht. Damit ihre eigene Farbe weiter leuchtet!

Perfektionistinnen sind andere Mütter

Im Berufsleben haben es Perfektionisten relativ einfach: mit einem freundlichen Wesen sind sie bei den Chefs beliebt und Kunden profitieren von ihrer Pedanterie. In der Zusammenarbeit mit den Kollegen jedoch wird es schwieriger: Einen Perfektionisten bringt nichts mehr auf die Palme als ein anderer Weg zum Ziel. Unachtsamkeiten und Nachlässigkeiten machen ihn rasend und verleiten ihn zu Überstunden.

Wird aus einer Perfektionistin eine Mutter, sieht sie sich Problemen und kleinen Menschen gegenüber, auf deren Handlung ihr perfektionistisches Denken und ihre Vorgaben keinen Einfluss hat; oder nur wenig. Die Perfektionistin fühlt sich plötzlich schrecklich unperfekt und verliert nicht selten für kurze oder längere Zeit den Boden unter den Füßen. Das kann sich äußern in einem temporär chaotischen Haushalt, in einer Beziehungskrise, in Schlafstörungen, wenn diese nicht schon durch das Baby hervorgerufen wurden, oder schlimmerem.

Die unperfekte Perfektionistin oder die verlorene Perfektionistin wird versuchen, wieder Land zu gewinnen, wieder zur alten Form zu gelangen. Manchmal gelingt das schnell, manchmal muss die Perfektionistin aber einsehen, dass sie umdenken und einen neuen Weg finden muss.

Der kleine Mensch, dem sich die Perfektionistin gegenüber sieht, ist so herrlich unperfekt und doch perfekt. Er kennt keinen Zeitplan und kein Zeitgefühl. Einen Teil seiner Mahlzeiten gibt er unmittelbar wieder von sich, einen anderen Teil später. Er hält sich nicht an feste Schlafenszeiten und macht die Nacht zum Tag. Er benutzt nicht die Toilette und riecht oft schrecklich unperfekt. Dazu ist er immer wieder laut, sehr laut.

Und dann ist er doch so perfekt, dieser kleine Mensch. Das beflügelt die Perfektionistin und lässt sie hoffen, ihre eigene perfekte Welt wiederzuerlangen.

Im Laufe der Jahre als Mutter wird die Perfektionistin ihr Unperfekt-sein kennen lernen. Sie wird es lieben oder hassen. In jedem Fall wird sie sich damit auseinander setzen, wird Fachliteratur lesen, Fachleute befragen, um aus ihrem unperfekten Alltag wieder einen perfekten zu machen.

Die Perfektionistin wird dabei immer wieder vergessen, dass ihr Alltag von ihrem perfekten unperfekten Kind gesteuert ist. Sie wird laut um Hilfe rufen und belächelt werden. Sie wird versuchen, auszubrechen und ihre Erfüllung letztendlich in einem Hobby finden, das sie perfekt gestalten möchte. Störungen von außen werden sie wieder aus der Bahn werfen und verzweifeln lassen. Bis…

Ja, bis sie irgendwann zwischen unperfekten Wäschebergen und klebrigen Fußböden feststellt, dass sie keine Perfektionistin mehr sein kann und es auch nicht mehr möchte. Dem unperfekten perfekten kleinen Menschen sei Dank.

Sie wird mit ihrem Kind basteln und mit Wasserfarben experimentieren, Sand-Kleckerburgen gestalten und Plätzchen backen.

Und danach wird sie ihre Küche blitzblank schrubben, um sich einen kleinen Teil des Perfektionismus aus ihrem alten Leben wieder zurück zu holen. Danach wird sie sich mit ihrem perfekten Kind in den Lieblingssessel kuscheln und lächelnd ihr perfektes Leben genießen.